Versicherungen für Gründer — die ehrliche Checkliste.
Du bekommst als Gründer viel Post: Versicherer, Makler, Vergleichsportale — fast alle wollen dir etwas verkaufen. Diese Seite und die dazugehörige PDF-Checkliste machen es anders: Sie sagen dir, was du in welcher Phase brauchst — und in Teil 5 auch, was du dir sparen kannst.
Ich bin Versicherungsmakler, also verdiene ich Geld, wenn du Verträge abschließt. Trotzdem ist auf dieser Seite und in der Checkliste der Abschnitt über unnötige Versicherungen genauso lang wie die anderen. Weil du sonst nicht wüsstest, ob du dem Rest trauen kannst. Und wenn deine Absicherung bereits passt, sage ich dir genau das — ohne Gegenvorschlag.
Teil 1 — Bevor du gründest
Der Teil, den fast alle überspringen. Bevor du an neue Versicherungen denkst, schau dir an, was du schon hast. Selbstständigkeit verändert bestehende Verträge — manchmal so, dass sie im Ernstfall nicht mehr greifen.
Konkret: BU-Bedingungen auf Berufswechsel-Klausel prüfen (meist keine Meldung nötig), Krankenversicherung entscheiden (mit Krankentagegeld?), Privathaftpflicht auf berufliche Lücke prüfen, Hausrat vs. Arbeitsequipment, Rechtsschutz nur privat vs. betrieblich, und der übersehene Punkt: die Rentenversicherungspflicht für bestimmte Selbstständige (§ 2 SGB VI). Und die harte 3-Monats-Frist für die freiwillige Arbeitslosenversicherung (§ 28a SGB III).
Teil 2 — Deine Rechtsform und was sie bedeutet
Ich berate dich nicht zur Rechtsform — das machen Steuerberater und Anwälte. Aber die Rechtsform entscheidet über deine Absicherung. Der wichtigste Punkt: Die Haftungsbeschränkung schützt das Unternehmen, nicht automatisch dich als Geschäftsführer.
Themen: persönliche Haftung je Rechtsform, Sozialversicherungsstatus bei Gesellschafter-Geschäftsführern, Haftung für Mitarbeiter-Fehler.
Statusfeststellungsverfahren läuft nicht bei mir, sondern bei der Deutschen Rentenversicherung nach § 7a SGB IV. Als Gesellschafter-Geschäftsführer stellst du den Antrag dort — der Bescheid entscheidet, ob du sozialversicherungspflichtig bist oder nicht.→ Zur DRV
Teil 3 — Was du ab dem ersten Tag brauchst
Nicht jeder braucht alles. Für alle sinnvoll ist die Betriebshaftpflicht — die einzige Versicherung, bei der ich keine Diskussion führe. Für beratende und planende Berufe kommt die Vermögensschadenhaftpflicht dazu.
Ebenfalls oft unterschätzt: Firmen-Rechtsschutz. Streit mit Kunden über Rechnungen, Ärger mit gewerblichen Vermietern, Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern — alles außerhalb des privaten Rechtsschutzes.
Situationsabhängig: Inhalt + Betriebsunterbrechung (mit eigenen Räumen), Handwerks-Pflichten, Cyber (mit Kundendaten), gewerbliche Kfz-Versicherung (mit Fahrzeugen).
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Teil 4 — Wenn der erste Mitarbeiter kommt
Ab hier ändert sich viel. Sofort fällig: Betriebsnummer bei der Bundesagentur, Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft (§ 192 SGB VII), Sozialversicherung.
Was viele überrascht: Der Anspruch auf Entgeltumwandlung besteht ab dem ersten Mitarbeiter (§ 1a BetrAVG). Und wenn du dadurch Sozialversicherungsbeiträge sparst, musst du einen Zuschuss weitergeben (§ 1a Abs. 1a BetrAVG).
Deine eigene Altersvorsorge — der Punkt, den Unternehmer oft übersehen
Bei „bAV" denken die meisten an die Mitarbeiter. Aber deine eigene Altersvorsorge ist mindestens genauso wichtig — und komplett deine Sache. Als Selbstständiger bist du meist nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung (außer du fällst unter § 2 SGB VI, siehe Teil 1). Wer nicht privat vorsorgt, hat später keine.
Zwei Bausteine stehen im Vordergrund:
Basisrente (Rürup) — steuerlich stark begünstigt (Sonderausgabenabzug § 10 EStG), aber lebenslange Verrentung und nur eingeschränkt vererbbar.
Private Rentenversicherung — flexibler bei Auszahlung, Kapitalwahlrecht, Vererbung — dafür ohne die Steuervorteile in der Ansparphase.
Welche Mischung zu dir passt, hängt von Einkommen, Steuerlast und Familiensituation ab. Das ist eine der Fragen, bei denen ich dich gerne durch die Rechnung führe — Termin buchen.
Teil 5 — Was du nicht brauchst
Der Abschnitt, den sonst niemand schreibt. Versicherungen sind für Schäden da, die dich ruinieren würden — nicht für ärgerliche Kosten. Ein defektes Notebook für 1.200 € ist ärgerlich. Es ist kein Versicherungsfall.
Drei Fragen vor jedem Abschluss: 1) Wie wahrscheinlich ist der Schaden? 2) Was kostet er, wenn er eintritt? 3) Könnte ich das aus eigener Kraft tragen? Wenn Frage 3 mit Ja zu beantworten ist, brauchst du keine Versicherung.
Teil 6 — Deine Zeitachse
Damit du weißt, was wann dran ist: Vor der Gründung, in den ersten vier Wochen, im ersten Jahr, beim ersten Mitarbeiter, und dann einmal jährlich der kurze Check. Genau dieser Zeitachse folgen wir auch in meiner Beratung.
Wie viele Kästchen bleiben bei dir offen?
Wenn du die Checkliste durchgegangen bist, hast du eine Zahl im Kopf. Die sagt mehr aus als jede Pauschalempfehlung:
Qualifikationsnachweise
Meine fachliche Qualifikation

Spezialist für Vorstands- und GGF-Versorgung (IHK)
IHK für Rheinhessen

Experte/-in Betriebliche Altersversorgung
Deutsche Versicherungsakademie (DVA)
Häufige Fragen.
Muss ich am Tag der Gründung schon alle Versicherungen haben?
Nein. Betriebshaftpflicht ja — die deckt Personen- und Sachschäden ab, die dich sofort ruinieren können. Der Rest (Cyber, Betriebsunterbrechung, D&O bei GmbH etc.) kommt dazu, wenn die Grundlage dafür entsteht (Kundendaten, Betriebsstätte, Rechtsform-Wechsel). Meine Empfehlung in der Checkliste: klein anfangen und jährlich prüfen, ob es noch passt.
Was ist mit „Gründerpaketen"?
Bequem und selten passend. Sie enthalten oft Bausteine, die du nicht brauchst, und lassen weg, was für deine Tätigkeit wichtig wäre. Meine Faustregel: Weißt du bei jedem Baustein, warum er drin ist? Wenn nein, ist es kein durchdachter Schutz, sondern ein bequemes Bündel.
Brauche ich als Selbstständiger einen Firmen-Rechtsschutz?
In den meisten Fällen ja — und häufiger, als Gründer denken. Der private Rechtsschutz deckt betriebliche Streitigkeiten ausdrücklich nicht ab: nicht den Streit mit einem Kunden über eine offene Rechnung, nicht den Ärger mit dem gewerblichen Vermieter, nicht die Auseinandersetzung mit einem Mitarbeiter. Ein Prozess mit einem Fachanwalt kostet schnell einen niedrigen bis mittleren vierstelligen Betrag — plus die Kosten der Gegenseite, wenn du verlierst. Was zum Firmen-Rechtsschutz gehört und was nicht, findest du im Detail auf der /rechner/firmen-rechtsschutz-Seite.
Was kostet dich meine Dienstleistung?
Du bekommst keine separate Rechnung von mir. Als ungebundener Versicherungsmakler nach § 34d GewO werde ich vom Versicherer über eine Courtage vergütet — die ist in der Prämie deiner Verträge einkalkuliert. Du zahlst sie also über den Beitrag mit, unabhängig davon, ob du über einen Makler oder direkt beim Versicherer abschließt. Wenn ich sage „das brauchst du nicht", verdiene ich an dem Vertrag nichts — und genau das ist meine wichtigste Glaubwürdigkeitsprüfung.
Bin ich als Selbstständiger rentenversicherungspflichtig?
Möglicherweise. Nach § 2 SGB VI sind unter anderem bestimmte Handwerksberufe, Lehrende und Selbstständige, die im Wesentlichen für einen Auftraggeber arbeiten, in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Wer das übersieht, bekommt unter Umständen Jahre später eine Nachforderung. Wenn du unsicher bist, prüfen wir das im Erstgespräch.
Wenn du unsicher bist, ob etwas fehlt, schreib mir gern. Ich schaue mir an, was du hast, und sage dir, was ich sehe. Wenn alles passt, sage ich dir das auch.
